Zum Hauptinhalt springen

So zahlt das Finanzamt für Ihren Winter-Crash

Wer bei einer beruflichen Autofahrt in einen Unfall gerät, kann das Finanzamt am Schaden beteiligen. Die Reparaturkosten und noch mehr lassen sich absetzen. Die wichtigsten Regeln für Unglücksfahrer.

Wintersturm, Schnee und Eis, schlechte Sicht: Kaum zieht der Winter richtig ein, steigt die Zahl der Unfälle auf deutschen Straßen. Was viele Unglücksfahrer nicht wissen: Den finanziellen Schaden am eigenen Auto müssen sie oft nicht ganz allein tragen. Das Finanzamt hilft mit – vorausgesetzt, das Malheur passierte bei einer beruflich bedingten Fahrt, also beispielsweise morgens auf dem Weg zur Arbeit oder im Außendienst. Oder wenn jemand seinen Ehepartner für eine Dienstreise zum Flughafen brachte und auf dem Rückweg mit dem Privatwagen ins Schleudern kam. In solchen Fällen können die Reparaturkosten und noch viel mehr als Werbungskosten in der Steuererklärung geltend gemacht werden, erklärt Christina Georgiadis, Sprecherin der Vereinigten Lohnsteuerhilfe (VLH).

Worauf ist Verlass?

Die Absetzbarkeit von Unfallkosten neben der Entfernungspauschale war im vergangenen Jahr zeitweise mächtig umstritten, sagt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine (BVL) in Berlin. Doch das Bundesfinanzministerium stellte inzwischen klar: Die Kosten dürfen in die Steuer hinein, ohne Wenn und Aber. Die Finanzverwaltung erkennt einen Schaden immer dann an, wenn das Missgeschick bei einer beruflichen Fahrt passierte und der Unglücksfahrer die Kosten tatsächlich selbst zahlte. Als Nachweis zählen entsprechende Rechnungen und polizeiliche Unfallberichte. Allerdings ist die Steuersparchance nach Unfällen gar nicht so bekannt. Viele Unglücksfahrer vergessen auch häufig, ihre Aufwendungen bei der Monate später anstehenden Steuererklärung geltend zu machen.

Was gilt?

Der Unfall muss sich auf dem Weg ins Büro oder auf dem Heimweg von der Arbeit (erste Tätigkeitsstätte) ereignet haben, während einer Auswärtstätigkeit oder auf Dienstreise. Als beruflich bedingt zählen zudem Fahrten zur oder von der Zweitwohnung heim zur Familie. Auch Beschäftigte mit wechselnden Einsatzorten können das Finanzamt an den Kosten beteiligen. Gleiches gilt, wenn sie mit dem Fahrrad, dem Mofa, Motorrad oder zu Fuß beruflich unterwegs waren und verunglückten. Selbst Unfälle bei beruflich bedingten Umzügen können steuerlich geltend gemacht werden.

Wann wird es schwierig?

Ist das Unglück auf einem privaten Umweg passiert, wird das Finanzamt abblocken. Ausnahmen gehen nur dann durch, wenn jemand den direkten Dienstweg verlassen hat, um Arbeitskollegen mitzunehmen oder zu tanken. Am besten ist, der Chef bestätigt, dass der Unfallfahrer zu dem Zeitpunkt auf einer Dienstfahrt war. Hat der Pendler einen Abstecher eingelegt, um die Kinder zur Schule zu bringen oder im Supermarkt einzukaufen, gilt die Fahrt nicht mehr als beruflich bedingt, wenn es kracht. Außerdem darf bei dem Crash kein Alkohol im Spiel gewesen sein. Für das Finanzamt spielt keine Rolle, wer am Unfall schuld war oder ob die Schuldfrage strittig ist.

Was lässt sich konkret geltend machen?

Absetzbar sind Kosten in voller Höhe beispielsweise für Reparaturen, Abschlepp- oder Leihwagen, für Gutachter, Anwalt und Gericht, außerdem die Selbstbeteiligung in der Kaskoversicherung. Angerechnet werden zudem Folgeschäden wie ein zerstörtes Handy, Notebook oder ein demolierter Aktenkoffer sowie Auslagen im Zusammenhang mit dem Unfall. Dazu gehören auch Schrammen an der eigenen Garage oder am Gartenzaun. Zahlungen von der Versicherung müssen allerdings gegengerechnet werden. Das Finanzamt beteiligt sich auch nicht an Verwarnungs- oder Bußgeldern, die im Zusammenhang mit dem Unfall verhängt wurden.

Was noch?

Bei einem Totalschaden oder bei Bagatellschäden wie Dellen, die nicht repariert werden, kann eine „Absetzung für außergewöhnliche Abnutzung“ (AfA) geltend gemacht werden. Die AfA ist die Differenz zwischen dem steuerlichen Buchwert vor dem Unfall und dem Verkehrswert danach. Die Materie ist kompliziert. Lohnsteuerhilfevereine wissen Rat.

Was, wenn der Unfall länger her ist?

Auch Altfälle lassen sich oft noch absetzen. Schäden aus dem vergangenen Jahr dürfen in die Steuererklärung für 2016 hinein. Wer 2015 oder vorher einen berufsbedingten Unfall hatte und noch alle Belege parat hat, kann die Kosten sogar rückwirkend geltend machen – solange es für das Steuerjahr noch keinen bestandskräftigen Bescheid vom Finanzamt gibt. Nachschieben ist zudem möglich, wenn zum Beispiel in einer anderen Steuersache Einspruch eingelegt wurde und der Bescheid offen blieb. Unfallkosten werden bei der Steuererklärung in Anlage N unter „Sonstiges“ aufgelistet.

Was, wenn der Betrieb zahlt?

Manchmal zahlt auch der Chef den Schaden. Ein Arbeitgeber kann betrieblich bedingte Unfallkosten in voller Höhe steuerfrei übernehmen und als Betriebsausgabe geltend machen. Aber aufgepasst, mahnt Christina Georgiadis: Verunglückte ein Mitarbeiter mit dem Privatwagen auf dem Weg zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte und die Firma begleicht den Schaden, taucht das Extra in der Lohnsteuerabrechnung als Bruttolohn auf und muss versteuert werden. Setzt der Arbeitnehmer es dann nicht als Werbungskosten zusätzlich zur Pendlerpauschale ab, verliert er Geld. Nicht steuerpflichtig wird das Ganze, wenn der Unfall im Privatauto auf Dienstreise passierte. Dann lässt sich auch nichts absetzen. Dritte Variante: War jemand mit dem Firmenwagen beruflich unterwegs, zahlt der Arbeitgeber die Unfallkosten, weil es sein Auto ist. Dann kann der Beschäftigte auch nichts in seiner Steuer unterbringen.

 

Quelle: Berrit Gräber, WELT N24 Online, Stand 07.02.2017

Den gesamten Artikel finden Sie unter:

https://www.welt.de/wirtschaft/article160979396/So-zahlt-das-Finanzamt-fuer-Ihren-Winter-Crash.html